Nina Berberova (1901–1993) – Prosaistin, Dichterin, „die erste Pariser Dame der russischen Literatur“, Autorin der sensationellen Autobiografie „Kursiv mein“ (1969).
In den 1930er Jahren schreibt Berberova eine belletristische Biografie über Peter Iljitsch Tschaikowski. Sie schafft das Porträt eines lebendigen Menschen, ein Porträt ohne Maske, bewahrt jedoch Taktgefühl und Treue zu den Fakten. Als ewige Fremde erzählt sie von dem russischen Komponisten, als hätte sie Russland nie verlassen…
„Die Musik hatte zu stark auf Pierre gewirkt, besonders als er am Klavier „phantasierte“. Er schrie in seine Schlaflosigkeit: „Oh, diese Musik, diese Musik!"
– Man hört nichts, keine Musik ist da, – antwortete Fanni und drückte ihn an sich.
– Sie ist hier bei mir, hier! – rief er, weinend und sich an den Kopf greifend. – Sie gibt mir keinen Frieden.
Aber durch diese kindlichen Schlaflosigkeiten, durch die Schwierigkeiten der Tage fand ihn nun immer öfter eine gewisse stolze Freude, als hätte er etwas über sich entschieden, etwas gesucht, lange, sehr lange – gesucht und gefunden, einen dunklen Winkel in sich erhellt. Er konnte in dieser seltsamen, klingenden Sprache endlich wirklich von sich selbst erzählen – aber das Wichtigste war nicht, dass man ihn verstand, das Wichtigste war, sich selbst in dieser Sprache auszudrücken.“