Der antike griechische Mythos erzählt von König Sisyphos, der von den Göttern verurteilt wurde, einen schweren Stein den Berg hinauf zu rollen, doch seine Bemühungen waren vergeblich: Kaum hatte der Stein die Spitze erreicht, rollte er wieder hinunter. Hinter den...
zahlreichen Interpretationen des Mythos bleibt uns unbemerkt: Niemand erzählt von dem fallenden Stein. Dabei besitzt der Stein eindeutig eine eigene Agentivität und kämpft um den Status des Hauptdarstellers: das Unmenschliche — mit dem Menschlichen. Jeffrey Jerome Cohen, Direktor des Instituts für Mittelalterstudien an der George Washington University, schlägt vor, den Stein nicht als Requisite, sondern als Protagonisten der Geschichte und der Erzählungen zu betrachten. Indem er eine posthumansitische Forschungsperspektive einnimmt, findet Cohen auf der Suche nach einem Verständnis der Welt aus der Sicht un-menschlicher Akteure einen unerwarteten Verbündeten: die mittelalterliche Literatur. Erzählungen von lebendigen Edelsteinen, die Türen zu Hügelgräbern öffnen, halblegendären Rittern und Königen, stellen dem Anthropomorphismus erhebliche Hindernisse in den Weg; sie sind voller Vitalität und Metaphysik, die das Bestreben herausfordern, die Welt zu entzaubern, Materie auf Rohstoffe zu reduzieren und sie durch die Linse der Nützlichkeit zu vermindern. Vorwort von Maximilian von Neapel.
Der antike griechische Mythos erzählt von König Sisyphos, der von den Göttern verurteilt wurde, einen schweren Stein den Berg hinauf zu rollen, doch seine Bemühungen waren vergeblich: Kaum hatte der Stein die Spitze erreicht, rollte er wieder hinunter. Hinter den zahlreichen Interpretationen des Mythos bleibt uns unbemerkt: Niemand erzählt von dem fallenden Stein. Dabei besitzt der Stein eindeutig eine eigene Agentivität und kämpft um den Status des Hauptdarstellers: das Unmenschliche — mit dem Menschlichen. Jeffrey Jerome Cohen, Direktor des Instituts für Mittelalterstudien an der George Washington University, schlägt vor, den Stein nicht als Requisite, sondern als Protagonisten der Geschichte und der Erzählungen zu betrachten. Indem er eine posthumansitische Forschungsperspektive einnimmt, findet Cohen auf der Suche nach einem Verständnis der Welt aus der Sicht un-menschlicher Akteure einen unerwarteten Verbündeten: die mittelalterliche Literatur. Erzählungen von lebendigen Edelsteinen, die Türen zu Hügelgräbern öffnen, halblegendären Rittern und Königen, stellen dem Anthropomorphismus erhebliche Hindernisse in den Weg; sie sind voller Vitalität und Metaphysik, die das Bestreben herausfordern, die Welt zu entzaubern, Materie auf Rohstoffe zu reduzieren und sie durch die Linse der Nützlichkeit zu vermindern. Vorwort von Maximilian von Neapel.
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