Die Handlungsstränge und Helden des antiken griechischen Epos sind zweifellos eines der Schlüsselmerkmale der europäischen Kultur: der schnellfüßige Achilleus, unbändig in seinem Zorn, der vielgewandte Odysseus, der nach Hause zurückkehrt durch eine Reihe von Prüfungen; der schimmernde Hektor, Verteidiger Trojas; die rosenfingerige Eos, die einen neuen Tag eröffnet... Obwohl diese Bilder längst Teil des künstlerischen und literarischen Kanons geworden sind und verständlich erscheinen, steht tatsächlich eine komplexe Vorstellung über das Kosmos, die Gesellschaft und den Menschen dahinter. Das unmittelbare Ansprechen der Quelle dieser Bilder ermöglicht es, zu sehen, wie die Grundlagen des europäischen Denkens und der künstlerischen Tradition entstanden.
«Der antike griechische Epos. Theogonie. Ilias. Odyssee» — ist eine Sammlung von Texten, die das Fundament des antiken Weltbildes bilden. Sie vereinen mythologische Vorstellungen über den Ursprung des Universums und heroische Ideale der historischen Zeit. Diese Texte, herausgegeben in klassischen Übersetzungen von N.I. Gnedich, V.A. Zhukovsky und V.V. Veresaev, helfen Ihnen, ein ganzheitliches Bild davon zu formen, wie in der archaischen Kultur Macht, Schicksal, Ordnung und Grenzen menschlicher Möglichkeiten verstanden wurden.
Eröffnet wird die Sammlung durch die «Theogonie» von Hesiod — ein Gedicht, in dem ein umfassendes Bild der Entstehung der Götter und der Schaffung der kosmischen Ordnung vorgestellt wird. In diesem Text werden erstmals die mythologischen Vorstellungen systematisiert und eine allgemeine Hierarchie der göttlichen Kräfte aufgebaut. In der «Ilias» wendet der Sänger sich an einen der Episoden des Endes des Trojanischen Krieges und entfaltet Vorstellungen von Ehre, Heldentum und Unvermeidlichkeit des Schicksals. In der «Odyssee» entwickelt Homer eine andere Linie der epischen Tradition, in der der Weg des Helden, seine Prüfungen und seine Rückkehr nach Hause zentral werden.