Fjodor Iwanowitsch Schaljapin (1873–1938) — ein großer Opernsänger und eine wahrhaft bedeutende Figur für Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Inhaber einer wunderbaren Stimme und außergewöhnlichen Bühnentalents, er glänzte auf den Hauptbühnen, tourte um die Welt und hatte einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Opernkünste. Zeitgenossen sagten, dass Schaljapin auf die Bühne tritt, um nicht zu spielen, sondern das Leben seiner Helden zu leben. Sein Boris Godunow war die verkörperte Tragödie eines Königs, zerfetzt von Macht und Gewissen, sein Mephistopheles — die Verkörperung der teuflischen Versuchung, die in den Abgrund zieht...
Ein lebendiger und spöttischer Verstand, Charisma und Künstlergeist, die den Bühnenerfolg von Fjodor Iwanowitsch begünstigten, versammelten unweigerlich die bedeutendsten Vertreter des kulturellen Horizonts seiner Epoche um ihn. Die Erinnerungen an schicksalhafte Begegnungen und seinen bemerkenswerten kreativen Aufstieg zu den Höhen des Opernruhms hat Fjodor Schaljapin in zwei bemerkenswerten autobiografischen Büchern festgehalten: „Seiten aus meinem Leben“ (1916), geschrieben mit Unterstützung von Maxim Gorki, und „Maske und Seele“ (1932). Beide sind eine aufrichtige, tiefempfundene und humorvolle Erzählung darüber, wie das Schicksal des großen Meisters geformt wurde. Diese erstaunliche biografische Dilogie gibt uns die Möglichkeit, die „zwei Schaljapins“ zu vergleichen — den berühmten russischen Künstler auf dem Höhepunkt seines Ruhms, dessen Blick voller Hoffnungen für die Zukunft ist, und den weltberühmten, in Paris lebenden Emigranten, der in Gedanken auf die Vergangenheit blickt.
Im Anhang werden Erinnerungen über Schaljapin veröffentlicht, die von seinen Freunden hinterlassen wurden: das Buch „Schaljapin. Begegnungen und gemeinsames Leben“ von Konstantin Korowin und der biografische Aufsatz „Schaljapin“ von Iwan Bunin.