Das Buch ist ein dokumentarisch-journalistisches Werk, das auf der Reise des Autors nach Deutschland unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs basiert. Dagerman beschreibt das Leben in einem zerstörten Land, in dem die Menschen mit Hunger, Kälte, Obdachlosigkeit und moralischer Erschöpfung konfrontiert sind.
Der Autor zeigt den Alltag der gewöhnlichen Deutschen: Frauen, Kinder, alte Menschen, die sich inmitten der Ruinen von Städten und den Folgen der Niederlage befinden. Im Mittelpunkt stehen nicht die Politik und die militärischen Auseinandersetzungen, sondern der menschliche Zustand nach der Katastrophe: Angst, Schuldgefühle, Verwirrung und der Versuch zu überleben.
Dagerman vermeidet direkte Anschuldigungen und Rechtfertigungen. Stattdessen untersucht er die komplexe Frage: Wie geht man mit den Leiden eines Volkes um, das kürzlich Teil eines aggressiven Regimes war? Das Buch wirft ein moralisches Dilemma auf – ist es möglich, Mitleid mit den Besiegten zu haben, ohne ihre Verantwortung zu vergessen.
Es ist nicht so sehr ein Bericht, sondern eine philosophische Reflexion über Schuld, Humanismus und die Folgen des Krieges. „Deutscher Herbst“ zeigt, dass nach der Zerstörung nicht nur eine physische Leere bleibt, sondern auch eine tiefe innere Krise des Menschen und der Gesellschaft.