In dem Buch sind die theoretischen Arbeiten eines der geheimnisvollsten Künstler des russischen Avantgarde, Pawel Nikolajewitsch Filonow (1883-1941), seine Briefe, Erinnerungen an ihn und Arbeiten versammelt, die der Analyse des Schaffens des Malers gewidmet sind.
Der Künstler formulierte die Prinzipien seiner analytischen Methode: Das Bild entwickelt sich wie ein lebender Organismus – vom Besonderen zum Allgemeinen, als würde es durch Zellteilung wachsen, wobei jede Zelle eine eigene komplexe Organisation besitzt. Filonow nahm eine einzigartige Position im russischen Avantgarde ein. Er wurde zum Propheten, Messias, Asketen, Lehrer, Ausgestoßenen und Märtyrer in einer Person. Der Meister schuf seine ganz besondere Variante des Avantgardismus, die viel weiter von allen anderen Varianten entfernt war, als diese untereinander.
Seine Arbeiten sind eine erstaunliche Verbindung von Tierischem und Pflanzlichem, Organischem und Unorganischem, Menschlichem und Unmenschlichem, Totem und Lebendigem. Für ihn existieren all diese Kategorien nicht, das Universum ist eins, und die darin ablaufenden Prozesse verbinden in gleichem Maße all diese Oppositionen, da es sie nicht gibt. Er zeigt nicht die Oberfläche der Erscheinungen, sondern deren Wesen, deren Gesetze, Struktur und Prozesse. Für Filonow war ein solcher Ansatz wissenschaftlich: Er stellte Prozesse dar, die beispielsweise unter der Haut eines Menschen ablaufen – den Blutfluss, die Pulsation der Venen, die Arbeit des Gehirns.
Der Maßstab von Filonow ist das gesamte Universum, von dem Atom bis zur Unendlichkeit, von der Vergangenheit bis zur Zukunft. Seine Arbeiten implizieren, dass hinter ihren Grenzen die Unendlichkeit fortbesteht und sie nur ein Teil davon sind. Filonow selbst, wie ein pantheistischer Gott, umfasst dieses gesamte Universum mit seinem Blick und ist gleichzeitig in jedem winzigsten Teil davon gegenwärtig. Die Geschichte der Menschheit ist für Filonow nur ein kleiner Teil der Geschichte der Welt. Die Geschichte des Kosmos, der Planeten, des Lebens auf ihnen, geochemischer und aller anderen Prozesse. Und wieder ist der Meister gleichzeitig überall – in der Vergangenheit, der Zukunft und natürlich in der Gegenwart.
Für Kunsthistoriker, Studenten und Doktoranden der Geisteswissenschaften sowie für interessierte Leser.