In den letzten Jahrzehnten beobachten wir in der modernen Kultur eine Verschiebung «von der Musik zum Klang», da der Begriff «Musik» bereits nicht mehr dem rasanten Fortschritt neuer Kunstgenres und kultureller Einstellungen entspricht. Infolge dieser Verschiebung hat sich einerseits die Klangkunst stark entwickelt, während andererseits die Sound Studies in den Geisteswissenschaften aufgeblüht sind.
Die Aufgabe des Buches von Christoph Cox besteht darin, die «klangliche Wende» in Kunst und Kultur zu erklären und zu zeigen, wie der Klang in das Gebiet der Philosophie eindringt und es erneuert. Bei der Lösung dieser Aufgabe stellt der Autor die maßgeblichen Konzepte der modernen Kulturtheorie, die auf der Analyse von Diskurs und Sprache basieren, infrage und betont die Notwendigkeit einer neuen materialistischen Ästhetik nicht nur des Klangs, sondern der Kunst im Allgemeinen.
Das zentrale Konzept des Buches ist der Klangstrom — eine anonyme materialistische Kraft, die dem Menschen vorausgeht und seine subjektive Erfahrung übertrifft. In dem Versuch, ein realistisches und naturalistisches Modell zur Beschreibung des Klangs zu entwickeln, greift Cox auf die Ideen von Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Gilles Deleuze und Manuel DeLanda zurück und illustriert diese mit den Arbeiten von La Monte Young, Alvin Lucier, Christian Marclay, Marianne Amacher, Annie Lokwood und vielen anderen. Letztendlich präsentiert uns das Buch nicht nur eine der grundlegendsten und tiefgründigsten Studien zur Ontologie des Klangs, sondern auch eine fesselnde Geschichte der wenig erforschten Klangkunst der letzten fünfzig Jahre.