Seine fundamentalen Forschungen «„Das Wort über Igor' Feldzug“ und seine Zeitgenossen» und anschließend «Die russischen Chronisten und der Autor des “Wortes über Igor' Feldzug”» veröffentlichte Boris Alexandrowitsch Rybakow bereits zu Beginn der 1970er Jahre. Ende der 1960er Jahre äußerte er erstmals die Hypothese, dass der Autor ein Kiewer Boyar der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, Peter Borislawitsch, gewesen sein könnte. Rybakow betrachtete ihn als den Autor der Chronik, deren Original verloren gegangen ist, während die Übertragungen im Ipatjew-Chronik und in der «Geschichte Russlands» von Wassili Tatischew erhalten geblieben sind. Nachdem er den literarischen Stil und die politische Ideologie des hypothetischen Chronisten rekonstruiert hatte, kam Rybakow zu dem Schluss, dass das «Wort» der Feder desselben Autors angehört. Damals gab es, und heute bestehen weiterhin sehr große Zweifel an der Authentizität der «tatischew’schen Nachrichten» (dieser Informationen aus seinem Werk, die nicht anhand der erhaltenen, zuverlässig alten Quellen überprüft werden können). Im Jahr 1994 nahm der Historiker Leonid Milow, einer der Pioniere der Computerisierung der Geschichtswissenschaft, diese Hypothese unter die Lupe. Diese Analyse erlaubte es weder, die Tatsache zu bestätigen, noch eindeutig zu widerlegen, dass diese Texte von demselben Autor verfasst wurden. Die Frage blieb offen. Doch die Methodologie der Quellenforschung, die den Autor des «Wortes» als einzigartigen historischen Zeugen verwendet, bleibt für den modernen Forscher relevant. Die Interpretation des «Wortes» als Traktat, das den Grundlagen der Bildung der russischen Staatsbildung, den Untergangsfallen dieses Prozesses und der Besorgnis um das Schicksal des Landes, die vom «Wort über Igor' Feldzug» und seinem namenlosen Schöpfer ausgeht, gewidmet ist, ermöglicht einen neuen Blick auf das Problem der Nutzung historischer Quellen.
Die portraitgalerie Rybakows der Teilnehmer des «Wortes» beweist überzeugend: Nur ein durchdringend verständnisreicher Zeitgenosse, ein lebendiger Teilnehmer jener Ereignisse, konnte so fehlerfrei die Hintergründe aller seiner Charaktere, deren Beziehungen zueinander, deren nicht immer offensichtliche Absichten, deren schwache Seiten, deren Tugenden und noch ungenutzte Möglichkeiten kennen. Ein solch makelloses Wissen ist, so der Wissenschaftler, für einen Imitator aus jeder späteren Epoche unerreichbar.