Lytdybr – eine Art Autobiografie von Anton Nosik, zusammengestellt von Wiktoria Mochalowa und Elena Kallo aus Tagebuchaufzeichnungen, publizistischen Arbeiten, Transkripten von Interviews und Dialogen von Anton. Die in einem Raum versammelten Themen des Buches, aufgeteilt in Kindheit, Familie, Israel, die Geburt des russischen Internets, Venedig, Proteste und Politik, Wohltätigkeit, russische Medien, Dutzende und Hunderte von verstreuten Texten von Anton verwandeln sich in eine einheitliche Erzählung über das Leben und den Tod eines einzigartigen Menschen, der so vielschichtig und bedeutend war, dass seine wahre Rolle in unserer Gesellschaft noch viele Jahre lang verstanden werden muss. Jedes Kapitel wird von einem Vorwort eines der Freunde Antons begleitet, Literaten und gesellschaftlichen Akteuren: Pawel Pepperschtein, Demjan Kudrjavzew, Arsen Rewasow, Gleb Smirnow, Jewgenija Albaz, Dmitri Bykow, Lew Rubinstein, Jekaterina Gordeeva. In die Veröffentlichung sind Fotografien aus dem Familienarchiv aufgenommen. Ich lebe mein Leben so, wie ich es für richtig halte – ohne Rücksicht auf alle Spitzel, Henker und Wachtmeister, denen es nicht gefallen könnte. Ich habe einen Blog, in dem ich schreibe, was ich denke, und öffentlich meine Gedanken so äußere, wie ich es für richtig halte. Vielleicht hat diese Freiheit ihren Preis. Vielleicht muss ich diesen Preis zahlen. Unter meinen Freunden und Bekannten gibt es Personen, die bereits bezahlt haben – sie hätten auch rechtzeitig fliehen können. Aber ich respektiere ihre Wahl. Und viele Jahre lang habe ich, wenn ich diese Beispiele betrachtete, mich gefragt, wie ich mich an ihrer Stelle verhalten würde – wenn die Bedrohung durch Repressionen bereits ausgesprochen, aber noch nicht greifbar ist. Die Antworten, die mir in den Kopf kamen, waren sehr unterschiedlich, aber mit einer gemeinsamen Erkenntnis: In meinem einzigen Leben bin ich nicht bereit, meine Freiheit für Sicherheit zu opfern. Und ich bin nicht bereit, – selbst im Namen jener Sicherheit – irgendeine Handlung zu begehen, nach der ich mich selbst nicht mehr respektieren würde. Ein Klopfen an der Tür kann an jedem Tag ertönen. Und man muss einfach bereit dafür sein. Ich – bin bereit. Anton Nosik