Beim Sprechen und Nachdenken über das 20. Jahrhundert verlieren wir manchmal die Details, Episoden und einzelnen Schicksale aus den Augen, die vor dem Hintergrund globaler erdrückender Ereignisse verloren gehen, aber dennoch nicht weniger wichtig sind.
Das friedliche Leben in Innsbruck und die bezaubernde, die kulturellen Traditionen des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs widerspiegelnde Atmosphäre des 1922 eröffneten Cafés «Bei den Schindlers», wo Menschen tanzten, Affären begannen und wo der leckerste Apfelstrudel in ganz Österreich serviert wurde, endete abrupt mit dem Machtantritt der Nazis. Die Familienmitglieder waren über die Welt verstreut, und die Wahrheit über ihr Leben blieb unbekannt, bis die Autorin dieses Buches, «in die große Welt der böhmischen Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts und Österreichs des zwanzigsten, der beiden Weltkriege, dem Fall des Kaiserreichs, dem Gift des Antisemitismus und der nationalsozialistischen Diktatur», die verlorenen Fragmente des Puzzles zusammenfügte. Dies ist eine Erzählung nicht nur über tragische Verluste (einige Mitglieder der Familie Schindler starben in den Lagern Theresienstadt und Auschwitz), sondern letztendlich über Wiedergeburt und Versöhnung.
«In meiner Kindheit umgaben uns die unterschiedlichsten Geschichten. Ich traf die feste Entscheidung, meinen Vater zu verstehen, die Wahrheit von der Fiktion in seinen Erzählungen zu trennen, präzise Erinnerungen von ungenauen, und dazu musste ich mich vollständig in seine Vergangenheit und die Verwirrungen der großen, langen Familiengeschichte vertiefen. Ich musste mich gründlich mit der Geschichte Österreichs vertrautmachen, verstehen, wie es war, in einem unruhigen Land zu leben, das von der Höhe seiner kaiserlichen Größe in die Tiefen des Ersten Weltkriegs gefallen war, das beinahe verschwunden und dennoch vom Dritten Reich verschlungen worden ist. Ich musste genau herausfinden, was aus der "Schindler-Dynastie" geworden ist.» (Meriel Schindler)