«Die anderen Amerikaner» — ein moderner Roman über den Tod eines marokkanischen Einwanderers in einer kleinen Stadt in Kalifornien und über die Menschen, deren Leben sich um dieses Ereignis kreisen. Es ist Prosa an der Schnittstelle von Familiensaga, Kriminalgeschichte und Liebesgeschichte, in deren Zentrum die Familie Gerraoui steht, das Thema Heimat und das Gefühl der Entfremdung, das Einwanderer, ihre Kinder und diejenigen, die in der Nähe leben, unterschiedlich empfinden. Vor dem Hintergrund einer äußerlich ruhigen Stadt treten Angst, soziale Ungleichheit, kulturelle Barrieren und der Versuch, eine gemeinsame Sprache zu finden, wo das Vertrauen längst untergraben ist, hervor.
Am späten Frühlingsabend stirbt Driss Gerraoui infolge eines Autounfalls, und der Fahrer flüchtet. Danach kehrt Nora nach Hause zurück und versucht zu verstehen, was mit ihrem Vater geschehen ist, und gleichzeitig die Spannungen innerhalb der Familie zu klären. Rund um diesen Tod ziehen mehrere Handlungsstränge zusammen: Ein Zeuge fürchtet die Deportation, ein Detektiv führt den Fall unter dem Druck der Umstände, und ein Nachbar sowie ein ehemaliger Klassenkamerad von Nora sind auf ihre Weise in die gemeinsame Geschichte verwickelt. Während verschiedene Charaktere aus der Ich-Perspektive sprechen, werden ihre Verbindungen, unausgesprochenen Dinge und alten Verletzungen sichtbar.
- Nora Gerraoui — die jüngste Tochter von Driss, Jazzkomponistin. Sie kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt zurück und findet sich zwischen familiärem Schmerz, Fragen zur Vergangenheit und ihrem eigenen Gefühl der Entfremdung wieder.
- Mariam Gerraoui — die Witwe von Driss. Ihr Blick ist mit der Erinnerung an Marokko und dem schwierigen Verhältnis zum Leben in den USA verbunden.
- Efrian — der Zeuge des Unfalls, der aus Angst vor Deportation schweigt. Durch ihn bringt der Autor das Thema der Verwundbarkeit eines Menschen ohne gesicherten Status zur Sprache.
- Jeremy — Veteran des Irakkriegs und stellvertretender Sheriff, der an der Untersuchung beteiligt ist. Sein Handlungsstrang ist nicht nur mit dem Fall, sondern auch mit einer persönlichen Nähe zu Nora verbunden.
Laila Lalami behandelt Migration nicht als abstraktes Problem, sondern als alltägliche Erfahrung einer Familie, die zwischen zwei Welten lebt. Dabei sind nicht nur rassische und religiöse Unterschiede wichtig, sondern auch Klassenungleichheit, Schuldgefühl, Druck der Erwartungen und der Versuch, Würde in einer fremden Umgebung zu bewahren. Ein spezielles Thema ist die moralische Verantwortung: Wer ist bereit, die Wahrheit zu sagen, und wer wählt das Schweigen, wenn der Preis zu hoch ist.