"Der Mann hat betrogen, das Kind hört nicht, die Eltern verstehen nicht, ich habe Angst vor dem Alter, ich kann mich nicht finden... was tun?" - Die Gesichter der Fragenden sind nicht sichtbar, ihre Stimmen sind nicht hörbar, Fragen können nicht gestellt werden, und die Antworten werden von tausenden unbekannten Menschen gelesen. Ist es in einer solchen Situation überhaupt möglich, genau zu antworten und noch dazu einen konkreten praktischen Sinn in die Antwort zu legen? Eine der bekanntesten russischen Psychologen, Jekaterina Michailowa, sagt, dass die Briefe der Leserinnen und Leser des Magazins Psychologies, auf die sie während zehn Jahren antworten durfte, die schwierigste "Quest" in ihrer Erinnerung sind. Hinter dem Brief an die "teure Redaktion" ist es nicht einfach, einen lebendigen Menschen zu unterscheiden - es ist noch schwieriger, Klischees und fertige Rezepte in der Antwort zu vermeiden. Für Michailowa sind diese Briefe, "so lebendig und so verunsichert", ein Spiegel gesellschaftlicher Prozesse. Die Menschen schreiben darüber, wie sie sich die Welt vorstellen, in der sie leben. Der Psychologe wird zum Echo, zum Übersetzer einer Botschaft, die entschlüsselt werden muss - so, dass die Leser in fremden Erfahrungen ihr eigenes erkennen und sehen, dass selbst aus den schwierigsten Erfahrungen...