Der Titel des Romans "Wer den Wind beobachtet" verweist auf biblische Zeilen: "Wer den Wind beobachtet, der kann nicht säen; und wer auf die Wolken schaut, der kann nicht ernten".
1970er Jahre, eine sowjetische Provinzstadt. Rita Borodina – eine junge Lehrerin für Russisch und Literatur – erfährt, dass sie aus einem Heim für Kleinkinder genommen wurde und ihre leiblichen Eltern, Leja und Samuel Richter, unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen. Rita beginnt ihre eigene Untersuchung, um herauszufinden, was vor dreiundzwanzig Jahren geschehen ist, und um ihre Verwandten zu finden.
“Sie zog aus dem Umschlag die Geburtsurkunde, zusammen mit ihr fiel ein gelblich zerknittertes Blatt – ein Bescheid. Bürgerin Richter Rina Samuelowna… adoptiert mit Zuweisung eines Namens, Vatersnamens, Nachnamens… über das eine Aufzeichnung angefertigt wurde. So einfach, so gewöhnlich. Es war ein Mädchen Rina, nun wurde es ein Mädchen Rita. Rina ist verschwunden, man kann sie vergessen.
Man hätte die alte Pappmappe verbrennen können. Oder einfach in die entfernteste Schublade des Schreibtisches legen und weitermachen. So wäre es am einfachsten gewesen, aber sie wusste bereits, dass sie nicht verbrennen, nicht weglegen, nicht vergessen kann. Es wird nicht funktionieren. Eine volle Frau mit traurigen Augen und ein langgesichtiger Mann mit großen Ohren lassen sie nicht los”.
Olga Kromer – Prosaautorin, Autorin des Romans “Diese Stadt” (Preise “Jasna Poljana” und “ABS-Preis”, Longlist), Novelle “Jedes Atom” (“Jasna Poljana”, Longlist). Sie hat das Fachgebiet Angewandte Mathematik und Kybernetik abgeschlossen und arbeitet als Programmiererin. Die Helden von Kromers Büchern verbindet der Wunsch, sich angesichts der Umstände treu zu bleiben.
- 1. Ein Kriminalroman, in dem hinter der spannenden Handlung ein ernsthafter historischer Hintergrund steckt. Neuheit vom Autor des Romans «Diese Stadt» und Finalistin des Preises «Jasna Poljana».
- 2. Das Leben in der sowjetischen Provinz und die Realität der Rückkehr nach Israel aus der Sowjetunion in den 1970er Jahren: Ausreisewillige, geheimes Hebräischstudium, Druck durch Mitarbeiter der Staatssicherheit, Bruch mit den Verwandten und dem bisherigen Leben.
- 3. Es ist mehr als die Geschichte eines bestimmten Volkes; es ist ein Buch darüber, wie man sich selbst bleibt, trotz der Umstände.