Pionierhalstücher, rote Flaggen, Maidemonstrationen, die kommunistische Partei und die Hoffnung des Landes auf eine strahlende Zukunft. Und zu Hause — das Flüstern in der Küche, familiäre Geheimnisse und verbotene Themen, denn die Nachbarn könnten petzen. So erschien der elfjährigen Lea die Volkssozialistische Republik Albanien. Dann, fast über Nacht, fiel die Berliner Mauer. Das Denkmal für Stalin, den sie für einen guten Führer hielt, der Kinder liebte, wurde von protestierenden Studenten entmannt. Eine unangenehme Wahrheit über die Herkunft ihrer Familie kam ans Licht. Lea erfährt, dass es, wenn die Eltern und Nachbarn flüsterten über Freunde, die an die „Universität“ gingen, oder Verwandte, die „das Studium abbrachen“, um viel dunklere Dinge ging.
Zusammen mit den benachbarten postkommunistischen Ländern trat Albanien in einen schwierigen Übergang vom Sozialismus zu den freien Märkten der westlichen Welt ein: Dystopien der Finanzpyramiden, organisierten Kriminalität und Menschenhandel. Gestern schien alles ewig und richtig, und heute — die „Freiheit“, die mit leeren Regalen, Mangel, unerfüllten Versprechungen und dem Gefühl kam, dass die gewohnte Welt in einem Augenblick verschwunden ist.
In tiefgründigen und berührenden Memoiren zeichnete Lea Ypi ein lebendiges Porträt des Erwachsenwerdens in einer Zeit des Zusammenbruchs des Kommunismus auf dem Balkan. Es ist kein Geschichtsbuch, sondern eine ehrliche Erzählung über Familie, über die zerbrechliche Verbindung von Persönlichem und Politischem — darüber, wie Ideologie Schicksale bricht, aber die Menschen weiterleben, glauben, lachen und lieben.