Ein Buch, das die vielschichtige Welt der altägyptischen Religion eröffnet. Im Gegensatz zu populären Nacherzählungen von Mythen werden hier religiöse Themen nicht isoliert betrachtet, sondern als Spiegelbild der politischen, kulturellen und philosophischen Transformationen Ägyptens über mehr als dreitausend Jahre.
Der Autor zeigt, dass die ägyptische Mythologie kein erstarrter Pantheon und keine "Geschichten" über Götter mit Tierköpfen ist, sondern ein lebendiges System, das sich zusammen mit der Gesellschaft, der Macht und dem Kosmos entwickelt. Im Mittelpunkt stehen nicht nur zentrale Figuren wie Osiris, Isis, Horus oder Ra, sondern auch die Natur des Göttlichen in der ägyptischen Kultur und sogar die Sprache, mit der die Ägypter das Heilige beschrieben.
Der Autor analysiert konsequent die wichtigsten theologischen Zentren Ägyptens - Heliopolis, Memphis, Theben, Hermopolis - und zeigt, wie jedes von ihnen seine eigene Version der Schöpfung der Welt prägte. Besonderes Augenmerk wird auf die Evolution der religiösen Literatur gelegt - von den "Pyramidentexten" und "Sarkophagtexten" bis hin zum "Totenbuch" und dem "Amduat" - und auf die Offenbarung ihrer Rolle nicht nur als "Beschreibungen der jenseitigen Welt", sondern als aktive Instrumente der Interaktion mit einem anderen Raum, Teil einer lebendigen Theologie.
Ein bedeutender Teil widmet sich der Analyse der Figur des Pharaos als lebendigem Gott, seiner Titulatur, dem Totenkult und der Verbindung zu den Sonnensagen. Durch solche Beispiele wird offensichtlich, wie eng in Ägypten Macht, Religion und Mythos miteinander verwoben waren, und dass die Staatlichkeit auf dem Sakralen basierte.