Die Prosaikerin Elena Chizhova – eine Petersburgerin in vierter Generation; Autorin von zehn Romanen, darunter „Die Zeit der Frauen“ (Preis „Russischer Booker“), „Der Herr der Dinge“, „Orest und Sohn“, „Die terrakottastatue Alte Dame“. Petersburg, „die schönste, geheimnisvollste, mystische Stadt Russlands“, ist mehr oder weniger (als Handlungsort oder einer der Charaktere) in jedem Buch des Schriftstellers vertreten. „Die Stadt, aus der Erinnerung geschrieben“ – ein Ermittlungsroman, in dem Petersburg zur Stadt der Erinnerung wird – persönlicher, familiärer, historischer. Elena Chizhova rekonstruiert Stück für Stück die fesselnde Geschichte ihrer Familie. Eine Grafenmagd, ein Ofenmeister, eine glänzende Schneiderin, ein Soldat, der Hauptingenieur, die Besitzerin einer Manufaktur und ein Mäd- chen mit gemischter Herkunft, die „Romane für ihre Hof- freunde auf dem Dachboden erzählt“ – vier Generationen, die Erinnerungen an die Ereignisse des 20. Jahrhunderts bewahren, die den Leningraderinnen und Leningradern widerfahren sind: Bürgerkrieg, Repressionen der 1930er Jahre, Belagerung, Evakuierung, schwierige Nachkriegszeit. „Etwa dreißig Kilometer vor der Endstation stieg Mama aus dem Zug… Nach Leningrad kam sie mit einem Mitfahr-Lkw. Allein. Zu Hause, in der 1. Krasnoarmeyskaya, erwartete sie ein leeres Zimmer: von der Vorkriegs-möblierung blieb nur ein Eisenbett. Doch das Fehlen von Möbeln störte Mama kein Stück: das Wichtigste ist – Leningrad. Zu den Freuden der ersten Tage: alle sprechen „petersburgisch“. Dieses Gefühl der Sprache – rein, neu entdeckt nach langer Trennung – blieb ein Leben lang.