«Mentor in Christus» — ein religiös-psychologischer Roman über den Konflikt zwischen lebendigem Glauben und kirchlichem Formalismus, in dem neben dem betagten Kardinal Felix Bonpre ein Junge erscheint, und die gewohnte Ordnung beginnt unter dem Druck fremden Gewissens, Angst und Hoffnung auf Vergebung zu zerbrechen. Bei Maria Corelli ist dies kein privates Drama, sondern eine große Geschichte aus dem späten 19. Jahrhundert, als religiöse Institutionen an moralischer Autorität verloren und die Gesellschaft immer häufiger äußere Frömmigkeit anstelle innerer Ehrlichkeit wählte. Das Buch schließt die «Religiöse Trilogie» ab, zu der auch «Barabbas» und «Die Trauer Satans» gehören, jedoch nicht durch eine gemeinsame Handlung, sondern durch einen Themenkreis verbunden sind: Fall, Versuchung, Buße und die Möglichkeit der Rettung. Hier sind nicht nur Wunder und Anklagen wichtig, sondern auch die gesamte Umgebung — Rouen, kirchliche Kreise, aristokratische Umgebung, Streitigkeiten über Glauben, Pflicht und das Recht, andere zu beurteilen.
Nach dem Treffen des Kardinals mit dem obdachlosen Manuel beginnen um sie herum Ereignisse zu geschehen, die die einen als Zeichen von oben und die anderen als gefährliche Herausforderung der etablierten Autorität betrachten. Die Heilungen von Kranken, die Enthüllungen von Verbrechen und die wachsende Aufmerksamkeit für den Jungen verwandeln die private Geschichte der Barmherzigkeit in einen offenen Konflikt mit dem kirchlichen System. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich mehrere miteinander verbundene Handlungsstränge: das Schicksal der Künstlerin Angela Sovrani und Florian Varillo, die Geschichte von Sylvie Hermensstein und dem Reformer Aubrey Lee, die Streitigkeiten zwischen Abt Verniot und dem Sozialisten Guy Grandy. All diese Stränge laufen auf eine Frage hinaus: Was ist für den Menschen wichtiger — die Einhaltung des Kanons, der gesellschaftliche Ruf oder die Treue zum eigenen Gewissen.