Suad und Süreyya sind seit fünf Jahren verheiratet. Ihr Leben scheint ruhig und gemessen, doch eines Tages drängt die Sommerhitze sie aus dem drückenden städtischen Herrenhaus zu den Gewässern des Goldenen Horns. Um das Glück ihres Mannes zu sichern, leiht Suad Geld von ihrem Vater und mietet eine Villa am Ufer, wo Süreyya jeden Tag aufs Meer hinausfahren kann, während sie ein ruhiges häusliches Leben führen kann, erfüllt von Sorgen, Musik und Erwartung. Genau dort, zwischen Sommerausflügen, Meereslicht und abendlichen Klängen des Klaviers, erscheint ihr Haus immer häufiger Nedzip – der Cousin von Süreyya. Enttäuscht von der Liebe, gewohnt, in Frauen nur Leichtfertigkeit und Heuchelei zu sehen, entdeckt er unerwartet in Suad eine andere Welt: Selbstlosigkeit, seelische Feinfühligkeit, Treue, Schönheit, die keiner Worte bedarf. Allmählich wird Bewunderung zu einem Gefühl, das in ihrem Leben keinen Platz hat. Suad und Nedzip stehen vor einer unmöglichen Wahl: die Pflicht zu wahren – oder die Macht des Herzens anzuerkennen. Ihre Liebe sucht keinen Skandal, verlangt keine Untreue, wagt keine Flucht – sie lebt in der Musik, in Blicken, im Schweigen und im qualvollen Bewusstsein ihrer eigenen Verbotenheit. Doch das Gefühl, das nicht laut ausgesprochen werden darf, wird umso stärker, je hoffnungsloser es erscheint. Der Roman von Mehmet Rauf ist eine feine und berührende Geschichte über eine Liebe, die von der ersten Sekunde an zum Scheitern verurteilt ist; über Gewissen, Verlangen und die stille Tragödie von Menschen, die zu edel sind, um glücklich zu sein.