Frühling 1917. Nach der Abdankung werden der Kaiser und seine Angehörigen in Zarskoje Selo unter Arrest gestellt. Dann erfolgt der erzwungene Umzug nach Tobolsk. Danach gibt es eine besorgniserregende Phase in Jekaterinburg. Sie werden konvoiert, transportiert, isoliert; die Haftbedingungen verschlechtern sich, die Gerüchte häufen sich. Währenddessen laufen außerhalb und innerhalb Russlands komplizierte, widersprüchliche und oft sich gegenseitig ausschließende Verhandlungen. Jemand verspricht Hilfe. Jemand zögert. Jemand führt absichtlich in die Irre. Fast jeder Teilnehmer der Ereignisse ist überzeugt, im Interesse der Romanows zu handeln – und fast jeder trägt letztendlich zu ihrem Untergang bei.
Diese historische Untersuchung, die sich auf neu entdeckte Archivmaterialien stützt, rekonstruiert erstmals detailliert die Kulissenversuche, die kaiserliche Familie zu retten – seitens europäischer Monarchen, Diplomaten, Geheimdienste, russischer Monarchisten und sogar einzelner Vertreter der neuen Macht. Helen Rappaport entwirrt Schritt für Schritt den Knäuel der Widersprüche und zeigt, dass die Verantwortung für das Scheitern auf viele Akteure verteilt war. Dies ist ein Buch nicht nur über das tragische Ende, sondern auch über die Vielzahl der „fast“ – über nahe Chancen, geplatzte Vereinbarungen und darüber, wie eine Reihe politischer Kalküle, Ängste und Ambitionen die Möglichkeit der Rettung in eine historische Katastrophe verwandelte.