Proteste, Demonstrationen, Unruhen, Streiks; Aufruhr, Ungehorsam, Verurteilungen – die Protestaktivität war noch nie so intensiv. Wie sind wir dazu gekommen? Welche Umstände haben eine solche Wut im Leben und in den sozialen Netzwerken hervorgerufen? Die Ursachen des Aufstands hängen mit Abweichungen vom Liberalismus zusammen, der als einziges politisches Modell gewählt wurde (Verschärfung der Ungleichheit, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, Kürzung der staatlichen Dienstleistungen, politische Skandale...). Aber die Gewalt, mit der die Menschheit jetzt konfrontiert ist, ist beispiellos, da sie sich in einem neuen Subjekt ausdrückt: dem Individuum-Tyrannen. Vom ersten Tag an vertraut mit den neuesten technologischen Errungenschaften, Zugang zum Internet, Smartphones und geschockt von der digitalen Revolution (Apps, die das Gefühl vermitteln, die Welt liege uns zu Füßen, soziale Netzwerke, in denen mein Wort das wert ist, was zählt) glaubt dieser neue Mensch, dass er den Verlauf der Ereignisse beeinflussen kann. In seinem brillanten Essay bietet Éric Sadin eine tragisch gerechte Analyse des Zusammenbruchs unserer gemeinsamen Welt, um die Bedingungen des Gesellschaftsvertrags zu überdenken, die uns zusammenhalten können. Éric Sadin (geb. 1973) ist ein französischer Schriftsteller und Philosoph, einer der führenden Interpreten der digitalen Zivilisation. Er hält weltweit Vorträge, seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.