Der Fall Detroit – eines einst blühenden Industriezentren, das sich in eine «Geisterstadt» verwandelt hat – illustriert den weltweiten Trend des Übergangs von einem «Wohlfahrtsstaat» zu einer neuen wirtschaftlichen Situation. In dieser neuen Welt, in der soziale Garantien und Stabilität fehlen, rücken informelle Verbindungen in den Vordergrund. Diese widmet sich das Buch der Anthropologin Claire Herbert, die mit ihrer Familie nach Detroit zog, als die Stadt sich in ihrer tiefsten Krise befand. Im Austausch mit den Einheimischen und der Analyse ihrer Praktiken als involvierte Beobachterin eröffnet die Autorin eine ganze Welt informeller Beziehungen zu Eigentum, die nicht in das traditionelle Bild des «amerikanischen Traums» passen. In der Hoffnung, ein Dach über dem Kopf zu finden, sind die Detroiter gezwungen, gesetzliche Regelungen zu umgehen und sich verlassene Häuser anzueignen, basierend auf einem Ethos der Fürsorge – dem Bestreben, das Leben in der Stadt ohne die Hilfe der Stadtbehörden erträglich zu machen.
Um die Situation des «Niedergangs» oder der «Depression» aus der Sicht der Bürger zu sehen, entdeckt Herbert Techniken und Strategien, dank derer das Leben fortgesetzt wird, selbst in einer Lage, in der es scheint, dass die Grundlagen der sozialen Ordnung zerfallen sind.
Claire Herbert ist außerordentliche Professorin für Soziologie an der Universität von Oregon.