«Die Bostoner Hexe» — ein historischer Roman über eine Frau, deren Heilkunst und Unabhängigkeit zur Bedrohung für die puritanische Gemeinschaft des kolonialen Boston im 17. Jahrhundert werden. In der Version von Andrea Catalano stützt sich diese Geschichte auf den realen Fall von Margaret Jones — der ersten Frau, die in Boston der Hexerei beschuldigt wurde. Hier sind nicht nur der Prozess, die Angst und die religiöse Intoleranz wichtig, sondern auch das alltägliche Leben der Menschen, die versuchen, Familie, Würde und das Recht, sie selbst zu sein, in einer Welt zu bewahren, in der jede Abweichung von der Norm schnell in Schuld verwandelt wird. Die koloniale Massachusetts-Bucht, Charlestown, der Umzug aus England in die Neue Welt, strenge Sitten und das Misstrauen der Nachbarn schaffen einen dichten historischen Hintergrund ohne das Gefühl einer trockenen Rekonstruktion.
Die Handlung basiert auf einer doppelten Perspektive. Die Geschichte entfaltet sich durch die Tagebucheinträge von Margaret sowie durch die Erinnerungen ihres Mannes Thomas, der sich nach ihrem Prozess auf diese Einträge bezieht. Dieser Ansatz macht das persönliche Drama umfassender: Vor dem Leser steht nicht nur die lautstarke Anklage der Hexerei, sondern auch fast zwanzig Jahre gemeinsames Leben, Umzüge, Prüfungen und der zunehmende Druck der Gesellschaft. Während in der Gemeinschaft Angst und Misstrauen wachsen, beginnt jede Gabe, insbesondere die, die mit Heilung verbunden ist, gefährlich zu erscheinen. Vor diesem Hintergrund werden familiäre Nähe, Treue und innere Widersprüche der Eheleute in die Hysterie anderer hineingezogen.
- Margaret Jones — die zentrale Figur des Romans, eine Heilerin mit starkem Charakter und Willen. Ihre Gewohnheit, zu sprechen und zu handeln, ohne auf die Erwartungen der Umgebung zu achten, macht sie in einer Gesellschaft bemerkenswert, in der weibliche Selbstständigkeit fast als Herausforderung wahrgenommen wird.
- Thomas Jones — ihr Mann, ein zurückhaltender und vorsichtiger Mensch. Durch seinen Blick hält der Text nicht nur die historische Linie, sondern auch die persönliche Dimension des Geschehens fest: Ehe, Erinnerung, der Versuch zu verstehen, wie das Privatleben durch die Angst einer ganzen Gemeinschaft zerbrochen wird.