„Der Mann im hohen Schloss“ – ein Science-Fiction-Roman im Genre der alternativen Geschichte über eine Welt, in der die USA nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen dem Dritten Reich und Japan aufgeteilt sind, und das Leben des Menschen hängt nicht nur von der Macht ab, sondern auch davon, woran er bereit ist zu glauben. Philip K. Dick zeigt das besetzte Amerika der frühen 1960er Jahre ohne den gewohnten heroischen Glanz: mit Antiquitätengeschäften, politischer Vorsicht, alltäglicher Anpassung und der Angst, die Teil des Alltags geworden ist. In dieser Welt existieren Propaganda, Handel, spirituelle Praktiken und stiller innerer Widerstand nebeneinander. Die Realität hier scheint instabil, und gewohnte Orientierungspunkte verschieben sich ständig. Es ist ein eigenständiger Roman, der sich wie eine zusammenhängende Geschichte liest und zugleich eines der Schlüsselwerke im Genre der Dystopie ist.
Im Mittelpunkt der Erzählung stehen mehrere Charaktere, deren Wege sich in San Francisco und anderen Teilen des besetzten Landes kreuzen. Ein Antiquitätenhändler versucht, in einem System über Wasser zu bleiben, in dem selbst die Vergangenheit zur Ware geworden ist. Ein Handwerker sucht einen Weg, von seiner Arbeit zu leben und sich nicht in der Ordnung anderer zu verlieren. Eine junge Frau trifft auf Menschen und Ideen, die ihre Sicht auf das Geschehen verändern. Ein japanischer Beamter befindet sich zwischen Diplomatie, persönlichem Gewissen und wachsenden Spannungen zwischen den Mächten. Eine besondere Rolle spielt ein verbotenes Buch, in dem ein ganz anderer Verlauf der Geschichte beschrieben wird. Es lässt die Protagonisten an der Struktur ihrer eigenen Welt zweifeln und genauer auf das schauen, was sie für normal halten.
- Frank Frink – ein Handwerker, für den Arbeit und Selbstständigkeit zum Weg werden, sich unter der Kontrolle der Besatzungsmächte zu bewahren.
- Juliana Frink – eine junge Frau, durch die die Suche nach Wahrheit, Angst und persönliche Entscheidungen in einer Welt der Gewalt offenbar werden.
- Nobusuke Tagomi – ein japanischer Beamter in San Francisco, der mit wichtigen politischen Entscheidungen und inneren moralischen Fragen verbunden ist.
- Robert Childan – der Besitzer eines Antiquitätengeschäfts, dessen Linie die Abhängigkeit der Amerikaner von der neuen Macht und die komplexe Beziehung zur Kultur der Sieger zeigt.
- Hawthorne Abendsen – ein Schriftsteller, der das verbotene Buch geschaffen hat, das das Wahrnehmungsbild der Realität anderer Charaktere beeinflusst.
Das besetzte Amerika bei Philip K. Dick wird nicht nur durch Politik, sondern auch durch den Alltag gestaltet. Dinge, Symbole und kulturelle Gesten bedeuten hier nicht weniger als offizielle Befehle. An der Westküste ist der japanische Einfluss deutlich spürbar, im Osten drückt die Macht des nationalsozialistischen Regimes, und zwischen ihnen wächst die Angst vor einer neuen Runde großer Politik. Ein wichtiges Detail des Romans ist die Nachbarschaft von technologischem Fortschritt, spirituellen Praktiken und gefälschten Reliquien. Dadurch erscheint die Welt des Buches sowohl vertraut als auch beunruhigend fremd.