Das Buch der Doktorin der Geschichtswissenschaften, leitenden wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Instituts für Universalgeschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften Anna Sergejewna bietet einen neuen Blick auf die Reformationszeit. Anstatt eine trockene Darlegung theologischer Doktrinen zu präsentieren, taucht die Autorin den Leser in den Epizentrum des Kampfes um die Seele des Christen ein, wobei die fatale Uneinigkeit in der Auslegung der Schlüsselriten, Zeremonien und der Frage nach dem Seelenheil im Mittelpunkt steht. Über 100 hochwertige Illustrationen von Meisterwerken der Weltkunst. Die Reformation wird traditionell als Ereignis des 16. Jahrhunderts wahrgenommen, das ausschließlich mit der Entstehung des Protestantismus verbunden ist. Diese vereinfachte Interpretation verbirgt jedoch kolossale spirituelle Transformationen, die sich über mehrere Jahrhunderte erstreckten und die soziale, politische und wirtschaftliche Landkarte des Kontinents für immer veränderten. Unerbittliche Differenzen in der Beziehung zu religiösen Praktiken – dem, was der Christ im Tempel tut – führten zum größten Bruch in der Geschichte des Christentums. Die Reformation, so die Autorin, ist kein plötzlicher Aufstand, sondern ein langwieriger, schmerzhafter Prozess, der lange vor dem Auftreten Martin Luthers innerhalb der katholischen Kirche begann. Das Auftreten der Protestanten war nicht der Ursprung des Weges, sondern ein Stadien seiner Entwicklung, der Punkt der Teilung der Reform des kirchlichen Lebens in mehrere Strömungen – katholisch, lutherisch, calvinistisch… Die Helden des Buches sind nicht nur Luther und die Reformer, sondern auch die Gemeindemitglieder, Prediger, Mönche, Mystiker, Künstler und Mitglieder religiöser Bruderschaften – all jene, die das lebendige Gewebe des europäischen Christentums formten. Die Autorin zeigt die Reformation nicht nur als Geschichte theologischer Kontroversen und kirchlicher Institutionen, sondern vor allem als Geschichte des religiösen Erlebnisses der Menschen – ihrer alltäglichen Praktiken, Riten, Ängste, Hoffnungen und Vorstellungen vom Heil. Im Mittelpunkt stehen die Sakramente, die Messe, der Kult der Heiligen und der Gottesmutter, das Fegefeuer, Ablass, Bruderschaften der Gläubigen, Formen der Frömmigkeit der Laien und Mönche sowie Veränderungen in der Wahrnehmung von Tod und Glauben. „Der gespaltene Tempel. Die Reformation in Europa“ ist ein Buch darüber, wie Religion die Gesellschaft von innen heraus verändert und warum das Gespräch über Glauben, Riten und Identität in der Zeit neuer kultureller und wertorientierter Brüche nach wie vor von brennender Aktualität bleibt. Über die Autorin Anna Jurjewna Sergejewna – Doktorin der Geschichtswissenschaften, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Universalgeschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften. Autorin mehrerer Bücher zur Geschichte der theologischen und politischen Gedanken der Reformationszeit sowie zur politischen und sozialen Geschichte Europas des 16. – 17. Jahrhunderts.