Der Roman «Die Dämonen» nimmt einen besonderen Platz im Werk von F. M. Dostojewski ein. Er gehört nicht nur neben «Schuld und Sühne», «Der Idiot», «Der Jugendliche» und «Die Brüder Karamasow» zu den sogenannten «großen fünf Büchern» des Schriftstellers, sondern sticht in dieser Reihe auch besonders hervor. Dieser Roman, der sich mit der Problematik des Kampfes zwischen Dunkelheit und Licht, Gut und Böse beschäftigt, wurde von Dostojewski im Jahr 1870 nach der Ermordung von Iwan Iwanow, einem Mitglied seiner Untergrundorganisation, durch eine terroristische Gruppe unter der Leitung von Sergej Netschajew, der sich von dieser trennen wollte, ins Leben gerufen. Der Schriftsteller ahnte weitsichtig, dass solche Phänomene die Folge eines ganzen Komplexes von Problemen sind, die sich über Jahrhunderte im Land angesammelt hatten. Doch «Die Dämonen» sind nicht nur ein Werk über Netschajew und die Netschajew-Schule; sie handeln auch von der Möglichkeit und Notwendigkeit der menschlichen Seele, all diese Versuchungen und Zweifel zu überwinden, alle Prüfungen zu bestehen und den rettenden Weg zu finden, auf dem man den triumphierenden Dämonen der Welt – dem Bösen, der Lüge und anderen Laster – den Sieg entreißen kann. Gleichzeitig ist «Die Dämonen» eine großangelegte literarische Leinwand, die in einer originellen erzählerischen Form das Leben einer Provinzstadt während der schicksalhaften Ereignisse darstellt.
Die Ausgabe wird von Illustrationen begleitet, die Mitte der 1930er Jahre von der Absolventin der Petersburger Akademie der Künste, Sarra Shor (1897—1981), angefertigt wurden. Die zukünftige Künstlerin wurde drei Jahre vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts in einer kleinen Kreisstadt der Wolhynien geboren. Es schien, dass sie das gewöhnliche Schicksal von Hunderttausenden jüdischen Mädchen in der russischen Provinz erwartet. Doch in Sarra erwachte die Neigung zur Malerei. Zuerst trat Sarra in die Kirowskij Kunstschule ein, wo sie zum ersten Mal mit dem europäischen Avantgarde vertraut gemacht wurde, und zog dann nach Sankt Petersburg. Im Laufe der Zeit schloss sie sich einer neuen künstlerischen Vereinigung – der «Kultur-Liga» – an; die darin eingeschlossenen jüdischen Künstler strebten danach, neue Kunst in das Leben zu integrieren und dabei mit nationalen Motiven zu verbinden. In diesem Kontext entwickelte sich auch das Schaffen von Sarra Shor. Sie entwarf Skizzen für Theaterproduktionen und wandte sich dann der Buchgrafik zu. Bücher mit den Illustrationen von S. Shor wurden von den führenden Verlagen Moskaus und Leningrads gedruckt. Diese Ausgaben wurden mehrmals auf internationalen Ausstellungen für Buchkunst vorgestellt, darunter auch im Ausland: in Köln, Amsterdam, New York, Berlin und London. Beispiele für solche Arbeiten von Shor sind auch ihre Illustrationen zu «Die Dämonen» von Dostojewski.