Die Region Rostow, der Weiler Bogdanov, der Fluss Oberer Donez, endlose Schilfrohrsträucher, Tschechows Melancholie, im Luft verstreut. Hier erhielt der junge Priester Vater Sergij, bzw. hier wurde er aufgrund eines Konflikts mit der Kirchenleitung verbannt. Vater Serjoja erscheint alles seltsam, und er selbst kommt ihm fehl am Platz vor: Er fährt einen blauen „Tesla“, trägt modische Sneaker und die einfachen Sorgen und Freuden der Einheimischen schrecken ihn. Trotz der „weltlichen“ Attribute ist Sergej ein tief gläubiger Mensch, der einst an seiner Berufung keine Zweifel hatte, nun aber in einer tiefen Krise steckt. Langsam wird der Priester in die Angelegenheiten der umgebenden Menschen verwoben: den Unternehmer Dubrow, der sich in den Neunzigern auf fragwürdige Geschäfte eingelassen hat, alte Atheistinnen und einen Jugendlichen, den Sohn einer Alkoholikerin. Er wird mehrmals schwierige Entscheidungen treffen müssen, durch die er seinen Weg wiederfinden wird.
„Vater Serjoja“ ist reife, tiefgründige Prosa, die den Traditionen des russischen Realismus, vor allem Tschechow, und des russischen Modernismus folgt. Die schmerzliche, durchdringende Intonation, mit der Marina Chufistova über menschliche Handlungen spricht, löst sich in der traurigen Steppe aus.