«Jugend» — der vierte Roman des «großen Quintetts» von Dostojewski. Seine erste Veröffentlichung fand 1875 in der Zeitschrift «Vaterländische Aufzeichnungen» statt. In diesem Werk wird von einem jungen Mann erzählt, der verzweifelt versucht, seinen Platz in der Welt zu finden. Als legitimierter Sohn eines angesehenen Adligen, erlebt Arkadij Dolgorukij die Schwierigkeiten, die mit seiner Herkunft verbunden sind. Er sehnt sich nach Reichtum, Anerkennung und stürzt sich in moralische Zwiespälte. «Jugend» — das ist ein Roman über die Widersprüchlichkeit sozialer Normen, über die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, über das Erwachsenwerden und die Liebe. In dieser Ausgabe wird der Text des Romans
durch farbige Illustrationen des talentierten Künstlers Maxim Viktorovič Popovskij (1975) verschönert.
Fjodor Michajlovič Dostojewski (1821–1881) wurde in Moskau in einer großen Familie eines Arztes geboren. Zu Hause wurden den Kindern eine Liebe zur Literatur vermittelt: Es wurden Abendlesungen veranstaltet, Märchen erzählt und sie in Latein, Französisch und russischer Literatur unterrichtet. Nach dem Tod der Mutter schickte der Vater die älteren Jungen in die Ingenieurschule. Fjodor schloss sie 1843 ab, zeigte jedoch kein Interesse am Ingenieurwesen — er bevorzugte den Weg des Schriftstellers. Sein Debütroman «Arme Leute» (1845) machte den Autor als «neuen Gogol» bekannt. Mit der Zeit erhielt Dostojewski breite Anerkennung in literarischen Kreisen und knüpfte Kontakte zu vielen Kulturakteuren. Man sprach von ihm als einem belesenen, sanften und schüchternen Menschen, und seine Prosa wurde als originell und von tiefer Psychologisierung geprägt wahrgenommen. 1849 wurde der Schriftsteller als Mitglied des Petraschewskij-Kreises verhaftet; anschließend wurde er zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt. 1859 kehrte Dostojewski nach St. Petersburg zurück und wandte sich wieder der literarischen Schöpfung zu. Die Eindrücke, die er während seiner sibirischen Verbannung sammelte, spiegelte er in seiner Novelle «Aufzeichnungen aus dem Totenhaus» (1862) wider. Zwangsarbeiter-Karikaturen erschütterten die Leser und zogen wieder die Aufmerksamkeit seiner Zeitgenossen auf Dostojewski. Fast anderthalb Jahre lang, von 1873 bis 1874, arbeitete Fjodor Michajlovič als Herausgeber einer wöchentlichen Literaturzeitschrift «Bürger». In dieser Zeit dachte der Schriftsteller daran, einen neuen Roman zu schaffen. Zu dem bald veröffentlichten «Jugend» standen die Literaten, die Zeitgenossen Dostojewskis, kühl: Sie kritisierten den Text des Romans wegen des Mangels an Zusammenhalt. Doch heutzutage gilt «Jugend» als eines der besten Werke von Fjodor Michajlovič und wird für seine Aktualität außerordentlich geschätzt. Es wird in verschiedene Sprachen der Welt übersetzt und in großen Auflagen neu herausgegeben.