Yeong-hye und ihr Ehemann sind gewöhnliche Menschen. Er ist ein Büroangestellter mit moderaten Ambitionen und milden Manieren; sie ist eine uninspirierte, aber pflichtbewusste Ehefrau. Die akzeptable Gleichgültigkeit ihrer Ehe wird unterbrochen, als Yeong-hye, die ein pflanzenähnliches Dasein anstrebt, beschließt, Vegetarierin zu werden, angeregt durch groteske, wiederkehrende Alpträume. In Südkorea, wo Vegetarismus fast unbekannt ist und gesellschaftliche Sitten strikt befolgt werden, ist Yeong-hyes Entscheidung ein schockierender Akt der Subversion. Ihre passive Rebellion manifestiert sich in immer bizarreren und erschreckenderen Formen, die ihren fadenscheinigen Ehemann zu selbstrechtfertigenden Akten sexuellen Sadismus treiben. Seine Grausamkeiten treiben sie in den Versuch, Suizid zu begehen und ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Unbewusst fasziniert sie den Ehemann ihrer Schwester, einen Video-Künstler. Sie wird zum Mittelpunkt seiner zunehmend erotischen und entfesselten Kunstwerke, während sie weiter und weiter in ihre Fantasien spiralt, ihren fleischlichen Gefängnis zu entkommen und – unmöglich, ekstatisch – ein Baum zu werden.
Angespannt, verstörend und schön, ist Die Vegetarierin ein Roman über das moderne Südkorea, aber auch ein Roman über Scham, Desire und unseren wankenden Versuch, andere zu verstehen, von einem gefangenen Körper zum anderen.