Meine Mutter schlich nachts in die Kinderbaracke und ließ mich wiederholen: Ich heiße Ljuda, ich bin fünf Jahre alt, ich bin die Tochter belarussischer Partisanen, ich wurde nach Birkenau gebracht. Sie wollte, dass ich meine Geschichte erinnere. Im Mai 2021 ging ein Foto um die Welt: Papst Franziskus neigte den Kopf vor einer Holocaustüberlebenden und küsste die Tätowierung mit der Lagernummer auf ihrem Arm. Diese Frau war die 81-jährige Lydia Maximowitsch, eine belarussische Häftling von Birkenau – dem schrecklichsten Auschwitz-Vernichtungslager. Ihre Familie, die in den Partisanen kämpfte, geriet ins Lager, als sie erst drei Jahre alt war. Die belarussischen Wälder waren das letzte Licht, das Lydia sah, bevor sie in die Dunkelheit des Lagers hinabstieg. Das kleine Mädchen musste nicht nur die Trennung von ihrer Mutter, Hunger und den Schrecken des nahen Todes ertragen, sondern auch die unmenschlichen Experimente von Joseph Mengele... Sie kam im Januar 1945 heraus, Hand in Hand mit einer polnischen Frau, die beschlossen hatte, eines der „Waisenkinder“, die im von Leichnamen bedeckten Lager froren, zu adoptieren. Lydia blieb bei ihrer Pflege Mutter, vergaß aber nie ihre leibliche Mutter, hörte nie auf, sie ihr Leben lang zu suchen – und fand sie viele Jahre später in der Sowjetunion. Ihre unglaubliche Geschichte zeigt: Es ist möglich, unter unmenschlichen Bedingungen zu überleben, wenn man die Liebe zu seiner Familie im Herzen trägt und daran glaubt, dass das Gute unbedingt siegen wird.