Die Romane von Wladimir Sorokin haben immer durch die Genauigkeit ihrer Vorhersagen überrascht. Und wenn Sorokins Vorhersage aus "Erbe" wahr wird, wird niemand Russland beneiden. Vor Ihnen liegt der erste große Roman, der im XXI. Jahrhundert von den russischen Behörden verboten wurde.
Die Zukunft ist gekommen und vergangen, der Atomkrieg ist fast vergessen, nicht alle haben überlebt, und derjenige, der überlebt hat, wird niemals mehr derselbe sein. Der Friedensvertrag führte nicht zum Frieden: Gewalt wurde zur Norm und Notwendigkeit, und die Toleranz gegenüber ihr ist ansteckender als der bolivianische Virus. Im abschließenden Teil der Trilogie über Dr. Garin malt Wladimir Sorokin die nächste, noch weiter von uns entfernte Phase des post-apokalyptischen Verfalls. Doch ihre Realität scheint auf paradoxe Weise viel vertrauter. Allerdings erkennen wir den Protagonisten nicht sofort, trotzdem bleibt er, wie es sich für einen Arzt gehört, ein Beispiel für Würde und Menschlichkeit.
Der Zug, ein unveränderliches Bild, das die russische, sowjetische und post-sowjetische Literatur verbindet, fährt von Ost nach West. Sein Treibstoff sind Menschen, nicht im metaphorischen, sondern im wörtlichen Sinne, und sie haben keinen anderen Platz, an den sie fliehen können. Doch der wunderbare Doktor und seine ungewöhnlichen Erben geben Hoffnung, dass die verrückte Welt nicht nur ein Ende, sondern auch eine glücklichere Fortsetzung hat.