Maurice Maeterlinck — belgischer Dramatiker, Essayist und Dichter, Nobelpreisträger — ist vor allem bekannt für seine Stücke, die mit einer märchenhaften Atmosphäre und einem poetischen Fantasieflug bezaubern. Das bekannteste Stück von Maeterlinck — «Der blaue Vogel» — erzählt von Kindern, die von einer Fee die Fähigkeit geschenkt bekommen, «die Seelen der Dinge zu sehen». Vielleicht beherrschte auch der Autor selbst diese Kunst, denn die naturphilosophischen Werke Maeterlincks bezaubern nicht weniger als seine Märchen. Das Talent des symbolistischen Dichters und die Einsicht des in die Natur verliebten Künstlers ermöglichen es Maeterlinck, außergewöhnlich fesselnd über faszinierende Welten zu erzählen, die möglicherweise harmonischer sind als die menschliche Gesellschaft. Erstaunliche Fakten aus dem Leben vielfältiger Blumen, die Beschreibung der komplexen und harmonischen Arbeit eines Bienenstocks oder die Organisation eines Termitenhügels verwandeln sich in der Schilderung Maeterlincks nicht einfach in Aufzeichnungen eines Naturforschers, sondern in eine Art Manifest der Existenz eines einheitlichen höheren Verstandes, der sich in allen lebenden Wesen unseres Planeten manifestiert. Überlegungen zum Leben von Pflanzen, Insekten und Tieren, tiefe Schlussfolgerungen über das menschliche Dasein, Geschichte, Literatur, Religion, mutige Parallelen und unerwartete Erkenntnisse laden den Leser ein, über die Entwicklung der menschlichen Seele, das Streben der Persönlichkeit, ihren Platz in der umgebenden Welt zu finden und die Verbindung zur Natur besser zu verstehen. In dieser Ausgabe sind ausgewählte Essays und Abhandlungen von Maurice Maeterlinck versammelt, die zwischen 1896 und 1926 geschrieben wurden: «Der Schatz der Bescheidenen», «Weisheit und Schicksal», «Das Leben der Bienen», «Der begrabene Tempel», «Der doppelte Garten», «Der Verstand der Blumen», «Das Leben der Termiten».