Großeltern sind wie Wanderer aus einer anderen, fernen Welt, die wir kaum noch kennen. Ihre Worte, Gewohnheiten und Lebensansichten unterscheiden sich manchmal sehr stark von unseren und sind daher von immensem Wert. Sie selbst sind wie verschwundene Welten, die wir riskieren zu verlieren, ohne sie bis zum Ende verstanden zu haben.
Viele von uns wurden von Großeltern großgezogen.
Sie hatten Zeit für uns, die unseren ständig beschäftigten Eltern fehlte.
Sie fanden die richtigen Worte, wenn wir mit unseren Eltern kein gemeinsames Verständnis hatten.
Sie erfanden Möglichkeiten, uns zu erfreuen, als die Eltern dachten, dass „man nicht verwöhnen sollte“.
Und wir fanden (und finden weiterhin) in unseren Großeltern Ruhe, Trost und die Fähigkeit, das Leben ganz anders zu betrachten, als wir es gewohnt sind.
Dieses Buch ist eine Möglichkeit, für uns und unsere Kinder zumindest einen kleinen Teil der Welt unserer Großeltern zu bewahren, das Band, das die Vergangenheit und die Zukunft der Familie verbindet, nicht reißen zu lassen und die Familiengeschichte tiefer und reichhaltiger zu gestalten.
Und auch – den Großvätern die Möglichkeit zu geben, unser aufrichtiges Interesse an ihnen und ihrem Leben zu spüren.
Familiäres Wissen ist eine absolut notwendige Sache, um den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. Je weiter das Licht der Taschenlampe in die Vergangenheit leuchtet, desto besser verstehen wir uns selbst und unsere Beziehungen zum Leben. Wenn wir tiefer in unsere Geschichte schauen, können wir nicht nur die Biografien der Menschen sehen, die uns in diese Welt gebracht haben, sondern auch familiäre Szenarien, gewisse sich wiederholende Muster, die uns viel über uns selbst erklären können.
Wenn wir die kennen, die vor uns waren, empfinden wir keine Leere hinter uns – und keine Angst vor dem, was uns erwartet. Was auch immer passiert, wir sind an unserem Platz – unter den lieben und nahen Menschen, die einst lebten, bereits leben und gerade anfangen zu leben.