Die Welt wurde lange vor dem Theater, und umso mehr vor dem Shakespeare'schen «Globus», zum Theater, nämlich in dem wunderbaren Moment, als der Mensch Felder, Straßen und Häuser aus der Vogelperspektive sah und sie im verkleinerten Maßstab auf Stein darstellte. So entstand die erste Karte der Erde vor zweieinhalbtausend Jahren, in Felsen im Val Camonica eingraviert. Das reich illustrierte Buch des norwegischen Forschers bietet eine faszinierende Geschichte der Kartenerstellung, der Autor führt uns den gesamten Weg von den geheimnisvollen Symbolen der ersten Menschen bis hin zum Projekt Google Earth, um zu zeigen, wie die Fähigkeit, die Welt darzustellen, parallel zu ihrer Erschließung entwickelt wurde. Jedes Kapitel öffnet uns wie ein Podium, auf dem erstaunliche Szenen inszeniert werden: dramatische Suchen nach der Nordwestpassage, den geheimnisvollen Panotischen Inseln, «wo die Menschen ihre völlig nackten Körper mit ihren eigenen Ohren bedecken», die unerwartete Entdeckung des Mittelatlantischen Rückens und der Drift der Kontinente, die Abenteuer der Rakete «V-2», die mit dem Auftauchen des Satelliten «Transits» und GPS endeten. Doch egal, wie die Welt der Menschheit erscheint — Ptolemäisch, oder kopernikanisch, eingraviert auf einem Mammutzahn oder digitalisiert in unserem Mobiltelefon —, sie bleibt faszinierend und zieht uns mit ihren endlosen Geheimnissen an. Wie vor Jahrhunderten, eröffnen uns heute Karten (die berührungsempfindlich und digital geworden sind) nicht nur den richtigen Weg oder lassen uns eine Pizza bestellen, sondern sie öffnen auch unseren Planeten, unsere Geschichte und natürlich neue Rollen.